Recht auf Stadt auch in Köln

Zweites Treffen der neu gegründeten „Recht auf Stadt“ Initiative, Di. 26.03. um 19h im Naturfreundehaus Kalk

Stadtteilarbeit in Kalk vor 30 Jahren

Eine Veranstaltung des Futur3 Kollektivs im Naturfreundehaus Kalk mit einem Kalker Genossen.
Am 25.03. ab 19h.

Aphorismuka IV

Some people see things as they are and say: why? I dream things that never were and say: why not?

- George Bernard Shaw, zitiert von Robert Kennedy, zitiert von Michael Jackson in HIStory.

Alle Milieus sind zu fliehen oder: Der Sumpf muss sterben

Insbesondere zu fliehen sind die kulturellen und politischen Milieus. Sie sind die zwei Hospize, in denen traditionellerweise alles revolutionäre Verlangen zerschellt.
Die politischen Milieus erstrecken ihre diffusen Netzwerke über das ganze Territorium und stehen jeglichem revolutionären Werden im Weg. Sie sind nur Träger der Anzahl ihrer Niederlagen und der daraus erwachsenden Bitterkeit. Ihr Verschleiß genauso wie ihr Übermaß an Ohnmacht hat sie unfähig gemacht, die Möglichkeiten der Gegenwart aufzugreifen. Außerdem wird dort viel zu viel geredet, um eine unglückliche Passivität einzurichten; was sie polizeilich unsicher macht. So wie es vergeblich ist, von ihnen etwas zu erhoffen, ist es dumm, von ihrer Sklerose enttäuscht zu sein. Es reicht, sie verrecken zu lassen.
Alle Milieus sind konterrevolutionär, da ihr einziges Anliegen der Erhalt ihrer miesen Bequemlichkeit ist.

- Unsichtbares Komitee, Der Kommende Aufstand

„It’s time to stop examining our own privilege and start opposing the government.“

I believe the whole discourse around privilege is inherently destructive – at best, a colossal distraction, and at worst a means of turning us all into self-appointed moral guardians out to aggressively police even fellow travellersʼ speech and behaviour.
(…) While large swathes of the left are obsessively pouncing on verbal slips on Twitter, the right are acting: systematically deconstructing not just the welfare state, but the state itself.
Privilege-checking plays into the dangerous postmodern fallacy that we can only understand things we have direct experience of. In place of concepts like empathy and imagination, which help us recognise our shared humanity, it atomises us into a series of ever-smaller taxonomical groups: working class transsexual, disabled black woman, heteronormative male.
Worse still, it emasculates political activity. A very talented blogger friend of mine read Owen Jonesʼ Chavs and said it made them “very aware of my middle class privilege”.
Personally, it made me want to burn down the Department of Work and Pensions.

- Tom Midlane, The Problem With Privilege Checking

Aphorismika part III

„Bis heute haben sich die Männer nicht als Assoziation von Personen organisiert, sondern immer nur in Interessenverbänden, die addieren, was die Personen gemeinsam haben, statt ihre Verschiedenheiten zu verbinden. Daher rühren die Verflachungen, der Formalismus, die professionalistische Verselbständigung der Politik, ihre Entfremdung von den Individuen.“

– Rossana Rossanda

… und mensch muss hinzufügen, weil sie keine besseren Menschen sind – Frauen* auch.

Aphorismika ist eine Reihe das linke Alltagsgeschäft (wie es sich in Kalk darstellt) kommentierender Zitate und Aphorismen.

Aphorismika part II

„Die Frage, weshalb all die geschlechtergerecht sprechenden Menschen sich im Alltag untereinander genauso roh und geistlos verhalten wie je, kommt gar nicht mehr auf. Das Bemühen um die korrekte Sprache hat die Sehnsucht nach dem besseren Leben erstickt.“

Magnus Klaue, Das sogenannte Ich, in konkret 12/12

An dieser Stelle gibt es zwischendurch kommentierende Zitate und Aphorismen zum linken Alltagsgeschäft.

HIER DAS LICHT UND DORT DIE PUPPE – ein Krippenspiel -

von: Monica Pantel
nach: Martin Obliers

mit: Rehzi Malzahn, Oliver Hattig, Ruth Scheuer, Julia Seidensticker, Nicole Rodrian, Sonja Roczek, Eva Zulauf, Roland Blondrock, Cornelius Schöler, Marion – Anna Simon, Björn Schülke, Egon Zähringer, Frank Störmer, Julia Majewski, Bianka Schröder, Henri Demand, Ralf Kleinemas, Olaf Winkler, Birget Marten, Anna Jacobsen, Stefan Schüller, Diego Gardon, Miguel Valverde, Christina -Yvonne Schlieter, Hannes Schmitt, Felix Schröder, Dirk Sagowsky, Lutz Ellerbrock, Katja Struif, Anette Schwarz u.v.m.

am Sonntag
den 6.1.2013

pünktlich
um 19:00 Uhr
Einlass
18:30 Uhr

in der Autowerkstatt
HEARTFELT MECHANICS
Engelsstr, 13 ( Hinterhof )
51103 Köln

Das Wunder bringt die Maskerade. Am Ende der Maskerade steht immer
der Aufstand. Das Niederschlagen des Aufstands mündet im Krippenspiel.
Das ist die Kloake des Wunders. Im Krippenspiel ist der
Stern eine Funzel und nordische Kaiser spielen mit orientalischen
Puppen. Engel füttern die Soldaten im Felde mit riesigen
Fleischbrocken und verprügeln die Hirten. Maria ist eine sündige
Kellnerin und der Himmel ein Kerker. Das Schaf riecht am Loch seiner
Mutter. Das Siechtum im Krippenspiel deutet auf ein Ende der Welt. Das
Ende der Welt bringt die Einordnung der Dinge in den Kosmos der
Sprache, nach den Maßgaben der Muschel. Alles schwebt und niemand
hungert. …

Aphorismika part I

„Die reaktionäre Thematik ist in der einen oder anderen Form immer eine brutale Identitätsthematik. Wenn aber die Logik der Identität vorherrscht, dann ist per Definition die Liebe gefährdet. Man wird ihre Faszination für den Unterschied, ihre asoziale Dimension, ihre wilde, ja eventuell gewalttätige Seite in Frage stellen. Man wird Propaganda für eine „Liebe“ machen, die ganz sicher und in vollkommener Übereinstimmung mit den Sicherheitsvorkehrungen ist. Eine der Aufgaben der Gegenwart ist also die Verteidigung der Liebe, insofern sie subversiv und dem Gesetz fremd ist. In der Liebe vertraut man dem Unterschied, anstatt ihn zu verdächtigen. In der Reaktion verdächtigt man immer den Unterschied im Namen der Identität, das ist ihre allgemeine Philosophie.“

- Alain Badiou, Lob der Liebe

An dieser Stelle gibt es künftig das linke Alltagsgeschäft kommentierende Aphorismen und Zitate.

Riots in Kalk? Tod eines Kalker Jugendlichen und „Pariser Verhältnisse“

Vortrag und Diskussion im Rahmen des „Autonomen Aufstandsseminars

im AZ, Wiersbergstr 44.
Donnerstag, 19. April, 20h

Mehr als eine Woche lang hielten Kalker Jugendliche im Januar 2008 mit Protesten die Stadt in Atem. Auslöser war der Tod eines 17-jährigen mit marokkanischem Migrationshintergrund, der bei einer Auseinandersetzung mit zwei weiteren Jugendlichen aus Köln-Kalk tödlich verletzt wurde. Polizei und Staatsanwaltschaft entschieden sehr zügig auf Notwehr, was die Jugendlichen in Kalk aufbrachte. Der vermeintliche Täter wurde als „Deutscher“ wahrgenommen und entsprechende Parteilichkeit der staatlichen Stellen vermutet.

Wenige Wochen zuvor hatte der Ministerpräsident von Hessen im Verbund mit der Bildzeitung einen rassistischen Wahlkampf geführt und drakonische Strafen für „ausländische, jugendliche Gewalttäter“ gefordert. Dem voraus ging eine rassistische Medienhetze anlässlich einer Gewalttat in der Münchner U-Bahn.

Trauer um den Tod des Freundes, Empörung wegen der vermuteten Ungerechtigkeit und Wut über den alltäglichen Rassismus in der Gesellschaft führten zu tagelangen Kundgebungen und Demonstrationen auf der Kalker Hauptstraße. Prompt fantasierten Medien und Politiker_innen „brennende Autos wie in den Vororten von Paris“ herbei, ein riesiges Polizeiaufgebot inklusiver rassistischer Praktiken verschärfte die Situation.

Wir wollen darüber sprechen, wie sich die Jugendlichen organisierten, wie sie „unpolitisch“ politische Forderungen erhoben, sich dem Druck der Polizei nicht beugten und sich als spontan Handelende Gehör und Respekt verschafften. Auch wird es darum gehen, warum die linke Szene der Stadt keinen Bezug zu diesen Jugendlichen aufbauen konnte.

Der Vortrag und Erlebnisbericht wird begleitet von Bildern und Tondokumenten.