Archiv für November 2008

Zwischen Kapelle und Fabrik – Die Sozialgeschichte Kalks von 1850 bis 1910

Veranstaltung im NaturfreundInnenhaus Kalk am 4.12.2008 um 19h30

In der Epoche der Kalker Geschichte, die mir der ersten Fabrikansiedlung 1850 begann und mit der Eingemeindung nach Köln endete, wuchs fast aus dem Nichts eine zuletzt prosperierende Stadt mit fast 30.000 Einwohnern heran. Die Entwicklung Kalks ist beispielhaft für den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturwandel von einer agrarisch bestimmten Ansiedlung dörflichen Charakters zu einer Industriestadt. Die Entwicklung verlief nicht reibungslos, nicht ohne Brüche und Widerstände, und sie hatte ihre Eigenheiten, die Kalk trotz mancher Parallelitäten von anderen Orten deutlich unterschied. In der reinen Zuwandererstadt Kalk musste alles, was sich mit dem Begriff Stadt verband, erst entwickelt werden: eine städtische Gesellschaft, eine lokale Elite, politische Handlungsstrukturen und eine für Menschen und Unternehmen ausreichende Infrastruktur.

Fritz Bilz zeichnet nach, wie sich die Trägerschichten der politischen, ökonomischen und sozialen Entwicklung, das Bürgertum und die Arbeiterschaft, in Kalk herausbildeten und untersucht, inwieweit sie die Entwicklung der Stadt aktiv bestimmten. War die Richtung einheitlich oder gab es Abweichungen und Gegentendenzen? Konnte sich auch eine gewisse Urbanität, ein städtisches Lebensgefühl, in Kalk herausbilden? Der Autor hat eine Fülle von Archivquellen ausgewertet und kann so ein differenziertes und lebendiges Bild nicht zuletzt auch des alltäglichen Lebens im sich rasant entwickelnden Industrieort Kalk nachzeichnen.
Fritz Bilz lebt seit 1945 in Brück. Z. Zt. ist er als Historiker und Publizist tätig. Er ist Mitbegründer der Geschichtswerkstätten in Köln-Brück und Köln-Kalk und aktiv im Förderverein des NS-Dokumentationszentrums Köln, sowie Mitglied der NaturfreundInnen Köln.

VeranstalterIn: SH Verlag, NaturfreundInnenhaus

Alljährliche Diskussion zu Religionskritik – Diesmal: Aufklärung und Islam

Eine Veranstaltung im NaturfreundInnenhaus Kalk am 6.12.2008 um 19h30.

„So reflektiert denn, ihr mit Einsicht begabten!“ (Koran, Sure 59, 2)
„Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ (Immanuel Kant, 1784)
Vortrag und Diskussion mit Manuel Kellner
Die islamische Welt und der Islam werden oftmals als unaufgeklärt im Sinne der europäischen Aufklärung(*) kritisiert. Der Islam erscheint als Bedrohung für die westlichen Werte, für Freiheit, Vernunft und Demokratie. Daraus kann dann die Forderung nach einer Reform bzw. Reformation des Islam abgeleitet werden.
Diese Gegenüberstellung („Wir“ und „Ihr“) ist falsch. Morgen- und Abendland haben eine gemeinsame Geschichte, sind Geschwister. Ausgehend von dieser These wollen wir uns mit folgenden Fragen beschäftigen:
1. Was bedeutet die Tatsache, dass die Wurzeln der europäischen Aufklärung bzw. ihrer Vorläufer in der arabischen Welt und im Islam zu finden sind?
2. Warum gab es im Islam keine Reformation? Und ist die christliche Reformation nicht ähnlich autoritär und „fundamentalistisch“ gewesen wie beispielsweise der wahabitische Islam?
3. Gibt es eine innere Logik der Entwicklung von Judentum, Christentum und Islam? Kann man den Islam als eine „reine“, „moderne“ oder sogar höchste Form des Monotheismus verstehen?
4. Ist die Schulung des Denkens im Glauben an den einen, einzigen Gott die Voraussetzung für die Idee, dass die Welt bzw. die Wirklichkeit allein durch die Vernunft erkannt und gestaltet werden kann (und dass es überhaupt die Welt als Totalität gibt)?
Unser bewährter Referent Manuel Kellner(**) wird uns mit Herz und Verstand in das Thema einführen. Tischkerzen und Plätzchen wie gewohnt.
VeranstalterIn: NaturfreundInnenhaus KölnKalk, AG Religionskritik

(*) Der deutsche Philosoph Immanuel Kant in seinem Essay „Beantwortung
der Frage: Was ist Aufklärung?“ (1784):
„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! Ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“
(**) In Vorbereitung: Manuel Kellner: Kritik der Religion und der Esoterik