Archiv für Juni 2009

Argentinien 2001 – Krise des Geldes und ein sehr moderner antistaatlicher Aufstand

Do., 2. Juli 2009, 19 Uhr
Naturfreund_innenhaus Kalk

präsentiert von SOMOST und „C&A“

Argentinien war ein Testfall für beide Seiten: Der IWF hat ausprobiert, was passiert, wenn sie ein Land in die Krise abrutschen lassen (und hat nach dem Aufstand drohende Kriseneinbrüche in den umliegenden Ländern schnell durch neue Kredite aufgefangen). Von unten entwickelte sich mit dem Aufstand ein Labor sozialer Bewegungen. Monatelang beherrschten Basisdemokratie und antistaatliche Parolen die Szenerie. In großen Versammlungen auf Straßen und in besetzten Betrieben wurden Wege gesucht, das Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Die Bewegungen in Argentinien sind längst wieder von staatlicher Vermittlung eingeholt worden. Aber dieser Aufstand hat im kleinen nationalen Rahmen gezeigt, welche Energien und Dynamiken freigesetzt werden können, wenn Geldwirtschaft und Alltagsroutine zusammenbrechen. Wir wollen keinen „Länderabend“ veranstalten, sondern anhand der argentinischen Erfahrungen beispielhaft diskutieren, was Hintergrund und Voraussetzungen solcher Bewegungen sind, und worauf sie rauslaufen könnten, wenn sie nicht mehr im nationalen Rahmen gefangen bleiben.

Hydra: Der revolutionäre Atlantik – oder wie alles anfing

SOMOST und „C&A“ präsentieren:
Lesung aus und Vorstellung des Buchs von Peter Linebaugh und Marcus Rediker: Die vielköpfige Hydra. Die verborgene Geschichte des revolutionären Atlantiks, Assoziation A 2008. Mit musikalischen Anspielungen auf Digger, Piraten und Piratinnen, Sklavinnen und Sklaven, Commoners und Rebellinnen.

Do., 25. Juni 2009, 19 Uhr
Naturfreund_innenhaus Kalk

Im 17. und 18. Jahrhundert ist die vielköpfige Hydra-Schlange aus der griechischen Mythologie, der zwei Köpfe nachwachsen, wo einer abgeschlagen wird, Sinnbild für ein rebellisches transatlantisches Proletariat. Von Anbeginn an hat sich der Kapitalismus nur durch blutige Gewalt auf der Welt durchsetzen und ausweiten lassen. Das Buch rekonstruiert detailliert und anschaulich die Kämpfe, Rebellionen, Ideen und Träume derer, die erst in einer Jahrhunderte langen Geschichte der Unterdrückung, Versklavung und Ermordung in dieses System der Geldverwertung hineingepresst werden konnten. Diese „alten“ Geschichten sind höchst aktuell, weil sie zeigen, wie sich quer zu Grenzen und rassistischen Grenzziehungen ein rebellisches Gemisch aus vom Land vertriebenen commoners, entlaufenen Sklavinnen und Sklaven aus Afrika, Piratinnen und Piraten im atlantischen Raum zusammensetzte und den Siegeszug des Kapitals blockierte. Damit leistet diese Art der kritischen Geschichtsschreibung einen Beitrag zu der Frage, wie sich heute, angesichts der globalen Krise, eine transnationale Rebellion entfalten kann.

SOMOST empfiehlt: Kalk – Ein Stadtteil, in dem die Arbeiterklasse zu Hause ist?

Freitag, 18. Juni 19h
Naturfreundehaus Kalk

Günter Bell stellt seine im VSA Verlag erschienene Dissertation vor.

Die wachsenden sozialen Probleme – insbesondere die sich weit öffnende Schere zwischen Reichtum und Armut sowie die mit Massen und Dauerarbeitslosigkeit einhergehende Ausgrenzung und Prekarisierung (Hartz IV) – haben in den Sozialwissenschaften zu einer
Wiederbelebung von Klassentheorie geführt und die Dringlichkeit empirischer Klassenanalysen unterstrichen. Wo ließe sich dies besser durchführen als in Großstädten, in denen sich soziale Zerklüftung und Spaltung in der Veränderung von Stadtteilen und ihren historisch gewachsenen sozialen Milieus niederschlagen? Günter Bell hat den Stadtteil Köln-Kalk anhand von Interviews, Gruppendiskussionen und teilnehmender Beobachtung im Stadtteil Köln-Kalk empirisch untersucht.
Zum Autor: Günter Bell, Mitglied der Kalker Naturfreund_innen, Stadtplaner und Sozialwissenschaftler, in Köln-Kalk geboren und aufgewachsen, wissenschaftlicher Angestellter an der Fakultät für Raumplanung der Uni Dortmund, Mitarbeiter im Büro der Behindertenbeauftragten der Stadt Köln.
VeranstalterIn: Naturfreund_innen Kalk, Kalker Geschichtswerkstatt.