Archiv für Oktober 2009

Heine zum Geleit

„Was ist aber diese große Aufgabe unserer Zeit? Es ist die Emanzipation. Nicht bloß die der Irländer, Griechen, Frankfurter Juden, westindischen Schwarzen und dergleichen gedrückten Volkes, sondern es ist die Emanzipation der ganzen Welt, absonderlich Europas, das mündig geworden ist, und sich jetzt losreißt von dem eisernen Gängelbande der Bevorrechteten, der Aristokratie. Mögen immerhin einige philosophische Renegaten der Freiheit die feinsten Kettenschlüsse schmieden, um uns zu beweisen, dass Millionen Menschen geschaffen sind als Lasttiere einiger Tausen priviligierter Ritter; sie werden uns dennoch nicht davon überzeugen können, solange sie uns, wie Voltaire sagt, nicht nachweisen, dass jene mit Sätteln auf dem Rücken und diese mit Sporen an den Füßen zur Welt gekommen sind…
Laßt uns die Franzosen preisen! Sie sorgten für die zwei größten Bedürfnisse der menschlichen Gesellschaft, für gutes Essen und bürgerliche Gleichheit, in der Kochkunst und in der Freiheit haben sie die größten Fortschritte gemacht, und wenn wir einst alle als gleiche Gäste das große Versöhnungsmahl halten und guter Dinge sind – denn was gäbe es Besseres als eine Gesellschaft von Paris an einem gutbesetzten Tische? – dann wollen wir den Franzosen den ersten Toast darbringen. Es wird freilich noch einige Zeit dauern, bis dieses Fest gefeiert werden kann, bis die Emanzipation durchgesetzt sein wird; aber sie wird doch endlich kommen, diese Zeit, wir werden, versöhnt und allgleich, um denselben Tisch sitzen; wir sind dann vereinigt, und kämpfen vereinigt gegen andere Weltübel, vielleicht am Ende gar gegen den Tod – dessen ernstes Gleichheitssystem uns wenigstens so sehr beleidigt, wie die lachende Ungleichheitslehre des Aristokratismus.“

Heinrich Heine, Reisebilder III: Reise von München nach Genua Kap. 29, 1828.

Buchvorstellung: Darwins Kosmos

Sonntag, 18. Oktober 2009, 17:00 Uhr, Naturfreund_innenhaus Kalk, Veranstaltet von IBKA. Hier mehr http://www.ibka.org/node/909.

Film „Zeitgeist“

Samstag 17.10., 16h
Zweiter Teil der Reihe „Verschwörung, Dämonisierung, Skandal – Falsche und verkürzte Kapitalismuskritik im Film“.
Zeitgeist ist ein von Peter Joseph produzierter Dokumentarfilm, der sich mit mehreren
Verschwörungstheorien rund um das Christentum, den Anschlägen vom 11. September 2001 sowie der Verbindung zwischen „Hochfinanz“ und Kriegswirtschaft beschäftigt. Der Film wurde im Juni 2007 kostenlos über Google Video sowie auf DVD veröffentlicht. Mit 70.000 Downloads pro Tag ist Zeitgeist innerhalb kurzer Zeit zu einem der erfolgreichsten Internet-Filme geworden. Am 10. November 2007 wurde der Film im Egyptian Theater in Hollywood als Teil des 4th Annual Artist Filmfestival aufgeführt und mit dem Best feature Award für Spielfilme der Kategorie Artivist Spirit ausgezeichnet (Wikipedia).

Zur Reihe: In vielen Dokumentarfilmen, die einen aufklärerischen Eigenanspruch haben, stecken gefährliche Gedankenmuster. Wir sehen uns in kritischer Absicht vier sehr unterschiedliche Filme an und diskutieren anschließend über inhaltliche
Stärken und Schwächen der Filme und ihre intendierte und tatsächliche Rezeption. Wir wollen untersuchen, wie sich Denkmuster und Argumentationslinien ähneln und unterscheiden, welche inhaltlich korrekt sind und welche geradewegs in den Antisemitismus führen. Nehmt Euch Zeit mit. Wir empfehlen, möglichst alle Termine wahrzunehmen, um eine Kontinuität der Diskussion zu erreichen.

Ort: Naturfreund_innenhaus Kalk
Veranstalter_innen: Naturfreund_innen Kalk, Pyranha,

Ernst Lohoff/Norbert Trenkle: „Entwertet“

Donnerstag, 15.10., 19h30
Rezension durch Ulf Petersen.
Aus der Reihe „Ende des Kapitalismus“.
Im globalen Finanzmarktcrash entladen sich die Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaft. Der akute Krisenschub nimmt zwar von den Finanzmärkten seinen Ausgang, die Ursachen liegen aber tiefer.
Was Marx anhand der Krisen des 19. Jahrhunderts nachgewiesen hat, gilt erst recht für das Weltwirtschaftsbeben unserer Tage. Nichts ist analytisch so naiv und ideologisch so gemeingefährlich wir die Dolchstoßlegende, eine gesunde Realwirtschaft sei von der grenzenlosen Habgier einer Handvoll Banker und Spekulanten zum Opfer gefallen. Umgekehrt wird ein Schuh draus. Das historisch beispiellose Abheben des Finanzüberbaus in den letzten 35 Jahren war schon selber das Ergebnis und zugleich die provisorische Überwindung einer fundamentalen Krise der kapitalistischen Gesellschaft. Eine Produktionsweise, die auf der Vernutzung lebendiger Arbeitskraft beruht, muss angesichts des ungeheuren produktivkraftschubs der mikroelektronischen Revolution an ihre strukturellen Grenzen stoßen.

Veranstalter_innen: Somost und Rosa Luxemburg Club.
Wir immer bei SOMOST-Veranstaltungen gibt es einen kleinen Imbiss.

Film „Goldschmied Fabian“

Samstag 10.10., 16h
Erster Teil der Reihe „Verschwörung, Dämonisierung, Skandal – Falsche und verkürzte Kapitalismuskritik im Film.“
Dokumentation über die Entstehung des Geldes und des Finanzsystems. Laut dem Produzenten, dem Neue Impulse e.V., bietet er „50 aufschlussreiche Minuten über den grundlegenden Fehler in unserem Geldsystem und das grundlegende Geheimnis des Banken- und Geldwesens“. Thematisiert wird die Entstehung des Geldes und des Finanzsystems, Steuern, Bürokratie, Globalisierung und Krieg. Beteiligt waren auch der für seine verschwörungstheoretischen Veröffentlichungen bekannte Kopp-Verlag und das Internetportal secret.tv.

Zur Reihe: In vielen Dokumentarfilmen, die einen aufklärerischen Eigenanspruch haben, stecken gefährliche Gedankenmuster. Wir sehen uns in kritischer Absicht vier sehr unterschiedliche Filme an und diskutieren anschließend über inhaltliche
Stärken und Schwächen der Filme und ihre intendierte und tatsächliche Rezeption. Wir wollen untersuchen, wie sich Denkmuster und Argumentationslinien ähneln und unterscheiden, welche inhaltlich korrekt sind und welche geradewegs in den Antisemitismus führen. Nehmt Euch Zeit mit. Wir empfehlen, möglichst alle Termine wahrzunehmen, um eine Kontinuität der Diskussion zu erreichen.

Ort: Naturfreund_innenhaus Kalk
Veranstalter_innen: Naturfreund_innen Kalk, Pyranha,