Archiv für März 2012

Riots in Kalk? Tod eines Kalker Jugendlichen und „Pariser Verhältnisse“

Vortrag und Diskussion im Rahmen des „Autonomen Aufstandsseminars

im AZ, Wiersbergstr 44.
Donnerstag, 19. April, 20h

Mehr als eine Woche lang hielten Kalker Jugendliche im Januar 2008 mit Protesten die Stadt in Atem. Auslöser war der Tod eines 17-jährigen mit marokkanischem Migrationshintergrund, der bei einer Auseinandersetzung mit zwei weiteren Jugendlichen aus Köln-Kalk tödlich verletzt wurde. Polizei und Staatsanwaltschaft entschieden sehr zügig auf Notwehr, was die Jugendlichen in Kalk aufbrachte. Der vermeintliche Täter wurde als „Deutscher“ wahrgenommen und entsprechende Parteilichkeit der staatlichen Stellen vermutet.

Wenige Wochen zuvor hatte der Ministerpräsident von Hessen im Verbund mit der Bildzeitung einen rassistischen Wahlkampf geführt und drakonische Strafen für „ausländische, jugendliche Gewalttäter“ gefordert. Dem voraus ging eine rassistische Medienhetze anlässlich einer Gewalttat in der Münchner U-Bahn.

Trauer um den Tod des Freundes, Empörung wegen der vermuteten Ungerechtigkeit und Wut über den alltäglichen Rassismus in der Gesellschaft führten zu tagelangen Kundgebungen und Demonstrationen auf der Kalker Hauptstraße. Prompt fantasierten Medien und Politiker_innen „brennende Autos wie in den Vororten von Paris“ herbei, ein riesiges Polizeiaufgebot inklusiver rassistischer Praktiken verschärfte die Situation.

Wir wollen darüber sprechen, wie sich die Jugendlichen organisierten, wie sie „unpolitisch“ politische Forderungen erhoben, sich dem Druck der Polizei nicht beugten und sich als spontan Handelende Gehör und Respekt verschafften. Auch wird es darum gehen, warum die linke Szene der Stadt keinen Bezug zu diesen Jugendlichen aufbauen konnte.

Der Vortrag und Erlebnisbericht wird begleitet von Bildern und Tondokumenten.