Archiv für Juli 2013

Es ist ein Grünstreifen!

Bestens auf die Integration in eine Grünfläche vorbereitet und sozial wesentlich besser nutzbar: Das AZ in neuem Gewand.

EA Köln: gegen erniedigende Behandlung im Polizeigewahrsam Köln

Der Ermittlungssausschuss (EA), die selbstorganisierte linke Rechtsberatung, sucht Betroffene der Strip-search Praxis der Kölner Polizei:

Wir suchen Menschen, die in den Jahren 2010, 2011, 2012 und 2013 in Köln von der Polizei in Gewahrsam oder mit auf die Wache genommen wurden und sich dort gegen den eigenen Willen entkleiden mussten.
Alle, denen das wiederfahren ist, bitten wir, ein Gedächtnisprotokoll an den folgenden Anwalt zu senden:
Rechtsanwalt Heinrich Comes
Boisseréestr. 3
50674 Köln

Bitte schreib ins Gedächtnisprotokoll
- wie wir dich erreichen können,
- das Datum der Gewahrsamnahme,
- kurz den Anlass (ohne sich selbst strafrechtlich zu belasten), der von der Polizei für die Mitnahme genannt wurde,
- wie du ab der Mitnahme, im Gewahrsam bis zur Entlassung behandelt wurdest,
- wie oft du dich entkleiden musstest und ob eine Inspektion von Körperöffnungen damit verbunden war,
- ob du gewaltsam entkleidet wurdest und
- ob ein Grund für die Anordnung, sich entkleiden zu müssen, genannt wurde.

Die uns zugesandten Gedächtnisprotokolle werden von unserer Gruppe zusammen mit dem o.g. Anwalt gelesen, um dann alle zu einem Treffen einzuladen, bei dem wir gemeinsam überlegen, wie gegen das Verhalten der Polizei im Gewahrsam sinnvoll vorgegangen werden kann. Das können juristische Schritte und auch Formen von Öffentlichkeitsarbeit sein.
Wir garantieren, dass wir die Gedächtnisprotokolle vertraulich behandeln und die Namen von Betroffenen nicht veröffentlichen, es sei denn, die einzelne Person hat im Einzelfall explizit zugestimmt.
Wir brauchen die Gedächtnisprotokolle auch deshalb, um belegen zu können, dass die Anordnung zur Entkleidung in Kölner Polizeigewahrsamen keine Einzelfälle sind. Dabei handelt es sich um eine erniedrigende Behandlung durch die Staatsgewalt, die nur in begründeten Fällen erlaubt ist.

Die Beratungstermine des EA finden am 1. und 3. Montag im Monat in der LC 36, Ludolph-Camphausenstr 36, (Bhf West) statt.

Kalker Polizei dreht durch

+++update: Augenzeug_innen und Betroffene mögen sich unter kalkpost ät riseup.net melden. Gesucht werden insbesondere Videoaufnahmen+++

Was sollte das werden, Herr Polizeipräsident? Ein kleiner Vorgeschmack auf die Räumung des AZ? Oder haben Sie Ihre Einsatzleiter nicht mehr im Griff?
Am Freitag Abend beendete die Polizei eine WG Party in Kalk wegen Ruhestörung. Die Gäste gingen freiwillig, ohne weitere Probleme. Einige setzten sich noch auf den Platz an der Post, holten sich beim türkischen Imbiss was zu Essen, tranken noch ein Bier, unterhielten sich, um den warmen Sommerabend ausklingen zu lassen.
Kurze Zeit später wurde der Platz brutal und grundlos von der Polizei geräumt. Der Einsatzleiter erfand dafür angebliche Grölereien und Flaschenwürfe – die es nicht gegeben hat. Selbst einigen der PolizistInnen stand der Schock darüber ins Gesicht geschrieben, was da jetzt passieren sollte (mitgemacht haben sie natürlich trotzdem), andere waren genüsslich gewaltvoll.
Die zumeist am Boden sitzenden Leute wurden schwer verletzt – mit Schlagstöcken, Pfefferspray und Hundbissen. Einige wurden mit auf die Wache genommen, wo sie gewaltsam nackt ausgezogen und ihre Körperöffnungen untersucht wurden. Diese Maßnahme ist nur bei konkretem Verdacht auf Dealerei zulässig, bei der Polizei Köln jedoch seit geraumer Zeit illegale, routinemäßige Schikane – etliche Festgenommene aus den unterschiedlichsten Zusammenhängen mussten es in letzter Zeit über sich ergehen lassen.
Es wird Zeit, dass wir diese extrem traumatisierenden Praxis der Kölner Polizei beenden. Es kann nicht sein, dass auf der Kalker Wache Polizistinnen und Polizisten systematisch Menschen mit ihren Fingern vergewaltigen.
Betroffene können sich zur psychischen Unterstützung an das Out of Action team wenden, zur Rechtsberatung gibt es den Ermittlungsausschuss (EA). Es ist sinnvoll, das Erlebte so detailliert wie möglich in einem Gedächtnisprotokoll festzuhalten.

Rather See frei!

An der Geschichte um den Rather See lässt sich das Elend der gegenwärtigen gesellschaftlichen Verfassung und ihrer politischen Verwalter gut ablesen.

Die Kurzform ist: es gibt einen künstlichen See in einem der bevölkerungsreichsten, aber armen Stadtbezirke der Stadt Köln: Kalk. Der See ist ein Baggerloch, hier wurde Kies abgebaut, und befindet sich in Privatbesitz. Nichtsdestoweniger ist es seit Jahrzehnten gute Tradition in den anliegenden Stadtteilen – dem ärmeren Neubrück und Ostheim und dem besser situierten Brück und Rath, sich das kühle Nass und den ruhigen Spazierweg nicht vorenthalten zu lassen, und das Grundstück durch Löcher im Zaun und auf Trampelpfaden zu betreten.
Die Auskiesung ist beendet, die Zukunft des Sees nun Gegenstand privatwirtschaftlicher Begierden und stadtverwalterischer Maßnahmen. Der Besitzer des größten Anteils am See will eine Wasserski-Anlage bauen und für das Baden – auf einer winzigen Fläche wohlgemerkt – Eintritt verlangen. Das Ganze soll der Stadtbevölkerung dann als Badeparadies mit Saunalandschaft und allerlei Schnickschnack verkauft werden. Politik und Verwaltung – wen überrascht es in einem kapitalistischen Staat? – haben vor Allem Verständnis für die Interessen des Investors und bemühen sich, ihm den Weg frei zu schaufeln – nicht zuletzt muss für die Wasserskipiste der Landschaftsschutz aufgehoben werden.

Was ihnen allen nicht in den Sinn kommt, ist die jahrelange Aneignung des Sees durch die Einwohner_innen als Ausdruck eines sozialen Bedürfnisses und bürgerlichen Willens zu begreifen. Die soziale, kulturelle und gesundheitliche Bedeutung der Nutzung des Sees (Erholung, Sport, Treffpunkt unterschiedlicher Klassen, „Kulturen“ und Altersgruppen etc) für die umliegenden Stadtteile muss ja einen Sozialdemokraten wie Bezirksbürgermeister Markus Thiele nicht interessieren. Die Logik des Eigentums bestimmt, dass die Bedürfnisse, Wünsche und Praktiken Hunderter Menschen NICHTS bedeuten gegenüber dem Wunsch eines einzelnen Herren: weil er der Eigentümer ist.
Der könne mit seinem Eigentum machen was er wolle, argumentiert ein_e Gegner_in der Petition für den freien Zugang auf der Debattenseite. Dass es diese Logik des Eigentums ist, die die Menschheit in jenen erbärmlichen Zustand gebracht hat, in dem sie sich heute befindet, kann jedem und jeder aufgehen, der/die für einen Moment darüber nachdenkt, ob es eigentlich „richtig“ ist, dass Leute verhungern, weil das Saatgut eben Monsanto gehört; oder Leute in Spanien, USA, Griechenland und anderswo massenhaft obdachlos werden, weil sie die Kredite nicht bedienen können, während die Häuser zu Hunderttausenden leerstehen und verfallen.
Ähnlich wird es künftig den Familien aus dem ärmeren Neubrück gehen, die aus ihrer Wohnung im Hochhaus den See zwar noch sehen, aber nicht mehr betreten können, weil auch die angeblich angepeilten 3 Euro Eintrittsgeld für sie nicht erschwinglich sind. Und ob die vielen täglichen Schwimmer_innen – unter ihnen viele Rentner_innen und prekär Beschäftigte– für ihren Kurzaufenthalt jedes Mal 3 Euro bezahlen wollen oder können – das käme locker auf 50 Euro im Monat – ist die nächste Frage; abgesehen davon, dass die winzige Schwimmzone für wirkliches Schwimmen nicht interessant ist – weiter hinaus zu schwimmen stört aber den Wasserskibetrieb…
Diese Logik des Eigentums ist neu in der Geschichte der Menschheit und konnte sich nur gegen heftigen Widerstand durchsetzen. Die neuen Landbesitzer mussten den Leuten das Recht, die Wiesen, Weiden, Wälder und Seen zu betreten und zu benutzen, gewaltsam rauben. Die Vertreibung von den Commons, dem gemeinschaftlichen Recht an der natürlichen Umgebung, war Vorraussetzung für die Entwicklung des Kapitalismus. Das ist kein kommunistisches Geheimwissen, sondern gut erforschte Geschichte.
Noch vor ca 100 Jahren kämpften die Menschen (so auch die „Naturfreunde“, die die Petition für den Rather See gestartet haben) für das Wegerecht, auch Betretungsrecht oder Wegefreiheit genannt, in Wäldern und Bergen. Es handelt sich um eine Einschränkung des Eigentumsrechtes zum Wohle der Allgemeinheit.
Da staunt der/die Kölner_in: sowas gibt es?
Allerdings! Dass man heute auch durch Privatbesitz wandern und spazierengehen kann, ist Ergebnis dieser Auseinandersetzungen. In Skandinavien, den Alpenländern und anderswo ist es eine Selbstverständlichkeit, ein „Jedermannsrecht“, dass Menschen grundlegende Rechte an der Nutzung der Wildnis und privatem Landeigentum haben. In Bayern etwa schlägt sich dies im Artikel 141 der Bayrischen Verfassung nieder: „Staat und Gemeinde sind berechtigt und verpflichtet, der Allgemeinheit die Zugänge zu Bergen, Seen, Flüssen und sonstigen landschaftlichen Schönheiten freizuhalten und allenfalls durch Einschränkungen des Eigentumsrechtes freizumachen.“ Das bedeutet, dass der Staat hier zum Wohle der Allgemeinheit nicht nur berechtigt, sondern sogar verpflichtet ist, Landeigentümer gegebenenfalls zu enteignen!

Ja und wer haftet dann, wenn einer ertrinkt? fragt ein_e andere besorgte Petitionsgegner_in. Es ist das Elend des autoritären, verwalteten, geknechteten Subjekts in einer deutschen Großstadt, dass es sich eine Eigenverantwortung schon gar nicht mehr vorstellen kann. „Betreten auf eigene Gefahr“ heißt der gängige Terminus im deutschen „Betretungsrecht“. Wenn Du also auf einen Berg kletterst und runterfällst, auf dem matschigen Waldweg ausrutschst und Dir das Bein brichst oder im See schwimmst und absäufst, geht das auf Deine Kappe. „Mit nutzungstypischen Gefahren muss besonders gerechnet werden“ schreibt die deutsche Bürokratie. Du kannst das wissen, Dich entscheiden diese Gefahren auf Dich zu nehmen und für Dich selber Verantwortung übernehmen, stell es Dir vor, Staatsbürger_in!
Die Idee, dass das Leben versicherbar ist, für alles jemand Anderes haftet und am besten jede Hausecke mit Watte eingepackt ist, damit Du Dich nicht stößt, führt in die Unmündigkeit und die totale Verwaltung. Nach dem Loveparade-Desaster von Duisburg ist diese Version der totalen Vorsicht in den deutschen Verwaltungen sehr in Mode gekommen. Ohne bestreiten zu wollen, dass es richtig ist, dafür zu sorgen, dass die Häuser nicht über den ArbeiterInnen zusammenbrechen wie jüngst in Bangladesh, und dass es sinnvoll ist, sich bei größeren Menschenmengen Gedanken zu machen, wie diese notfalls fliehen können, nimmt das Ganze spätestens da autoritäre Züge an, wo ich mich gegen die staatliche Übervorsicht nicht mehr wehren und meine Eigenverantwortlichkeit beim Betreten eines Geländes oder der Ausübung einer Tätigkeit nicht erklären kann. Erbärmlich auch, wenn diese watteverpackte Entmündigung Einzug hält in vermeintlich linke Sprachpraxis, wo neuerdings vor jedem zweiten Text eine sogenannte Triggerwarnung steht, weil man sich selbst und die Anderen scheinbar für so alltagsuntauglich hält wie das Ordnungsamt den/die PartybesucherIn und Fastfoodketten ihre KundInnen – Vorsicht heiß! steht da auf der Kaffetasse. Auch hier gilt: es ist bestimmt nicht falsch, auf Gewaltexzesse und Vergewaltigungsszenen in Filmen oder Texten hinzuweisen, um Menschen die Möglichkeit zu geben, zu entscheiden, ob sie sich das antun oder nicht. Wo es aber in die Zementierung des Opferstatus und die (selbst-)Entmündigung führt, verliert es jeden emanzipatorischen Charakter. Der Diskurs der „Sicherheit“ hat sie alle fest im Griff – von den Autonomen bis zum Ordnungsamt: Räume, Orte, Sprache, alles muss sicher sein. Wenn nicht, muss jemand schuldig sein und haften. Wir brauchen die totale Lebensversicherung.

Eine Herrschaftskritiker_in wüsste, dass es Sicherheit nur da gibt, wo Freiheit und Solidarität verwirklicht sind. Wo Menschen gemeinsam, im gegenseitigen Vertrauen sich verbinden, die Angst voreinander ablegen, sich in ihrer Unterschiedlichkeit respektieren und zusammen sich um ihr individuelles und gemeinsames Wohl kümmern. Dort wäre ich sicher, dass ein Schaden, der mir sehr wohl immer noch zustoßen kann, gemeinsam aufgefangen wird; dass aus einem Fehler, den ich begehe, keine Schuld wird, die ich büßen muss, sondern eine Verantwortung, zu der ich stehe, mit der ich aber nicht alleingelassen bin. Einen Weg dahin suchen die Leute von Cecosesola, mit allen Unzulänglichkeiten und Widersprüchen.

Der Kampf um den Zugang zu einem See zum Wohle aller kann einer der vielen Anfänge sein, um sich bewusst zu machen, worum es geht: darum, sich gemeinsam, solidarisch und verantwortlich zu organisieren für ein Allgemeinwohl, das die Eigentumsrechte in Frage stellt, und damit eine zentrale Säule des Elends anzweifelt, um die Bedürfnisse und die Lebensqualität aller Menschen in ihr Recht zu setzen.
darum, sich von der Angst zu befreien, die im Sicherheitsdiskurs wohnt und uns alle beherrschbar macht. Indem wir den/die Bademeister_in abschaffen und zusammen darauf achten, dass keine_r ertrinkt.

PS: Das würde für das Müllproblem im Übrigen bedeuten, dass die Nutzer_innen das Bewusstsein entwickeln, verantwortlich handelnd ihren Müll mitzunehmen, und sich kollektiv organisieren, um ihn aufzusammeln, wo dies nicht funktioniert. Wenn wir die Sachen selber in die Hand nehmen und kollektiv handeln, brauchen wir keine AWB.

PPS: unterschreibt die Petition und haltet Euch auf dem Laufenden.

Vingst: ein Freibad, das nicht auf hat

Der Stadtteil Kalk hat über 100 000 EinwohnerInnen, die Naherholungsmöglichkeiten sind knapp. Es gibt das Höhenbergbad – ein gewöhnliches kostenpflichtiges Schwimmbad, den Königsforst, der überlaufen ist und wo man nicht schwimmen kann, den Rather See, der demnächst kommerzialisiert werden soll und: das (kostenpflichtige) Vingster Naturfreibad. Nur: dieses hat eigentlich so gut wie nie auf! Dagegen regte sich bereits letzten Herbst Protest, denn der September war warm, das Wetter super, die Temperatur des Wassers angenehm. Allein: das Bad war zu.

Nun wiederholt sich die Geschichte: trotz bester Bedingungen bleibt das Bad nur während der Sommerferien und am Wochenende auf – aus Personalmangel, angeblich. Wildes Baden wird durch einen Sicherheitsdienst unterbunden. Securities statt Bademeister – absurd.
http://www.koelner-wochenspiegel.de/rag-kws/docs/579721/kalk

Erneut protestieren die NutzerInnen. Wer sie unterstützen will kann dies mit einer Unterschrift hier tun:
http://www.change.org/de/Petitionen/stadt-köln-bäderamt-öffnung-des-naturfreibades-vingst-von-juni-bis-september

Anstatt das Bad ständig zu schließen, könnte es ja auch einfach frei zugänglich gemacht werden. Am Besten, wir organisieren den Betrieb direkt selbst – ohne Securities, Eintrittpreise und Öffnungszeiten.

Heute: Bezirksratssitzung zu Futur3 und Rather See

Heute abend um 17h tagt der Bezirksrat Kalk öffentlich. Unter Anderem Thema werden sein die Kommerzialisierung der Freizeitnutzung am Rather See und die Nutzung der alten Polizeiwache durch das Wohnprojekt Futur3.
Interessierte Zuschauer_innen sind immer willkommen!

Die Naturfreunde sagen: Das AZ passt nach Kalk!

Erklärung der Naturfreunde Köln, Kalk und des Naturfreundehaus Kalk von heute mittag:

Das AZ passt nach Kalk!
Die Kölner und Kalker NaturfreundInnen sprechen sich für eine Zukunft des Autonomen Zentrums in Kalk aus.

Seit mehr als 3 Jahren lebt das Naturfreundehaus (NFH) Kalk in bester Nachbarschaft mit dem Autonomen Zentrum (AZ). Wir haben die Besetzung begrüßt und blicken auf Jahre voller erfreulicher Kooperationen mit dem AZ zurück. Ausgesprochen gefreut über die neue Nutzung der ehemaligen Kantine haben sich insbesondere die ehemaligen KHD-Arbeiter bei den Naturfreunden.
Wir erklären uns daher solidarisch und fordern eine Lösung, die den Bestand des AZ ermöglicht. Diese ist auf unserer Sicht ohne Weiteres machbar.
Eindeutig widersprechen möchten wir Stimmen, die behaupten, das Autonome Zentrum passe nicht nach Kalk und könne hier nicht bestehen bleiben.
Im Gegenteil: jede Argumentation erweist sich als vorgeschoben, andere Lösungen sowohl für die Schule als auch für den angeblich so dringend benötigten Grünstreifen wurden mehrfach vorgelegt und sind leicht realisierbar.
Das AZ hat in Kalk einen Raum geschaffen, der an den Bedürfnissen vor Allem der jüngeren und finanzschwachen KalkerInnen ausgerichtet ist. Hier finden Jugendliche einen Raum, in dem sie ungestört und geschützt ihren Interessen nachgehen können – etwas, das wir NaturfreundInnen gerne ermöglicht hätten. Leider hat die Sünner Brauerei den Ausbau des Daches am Naturfreundehaus Kalk für Jugendräume mit einer Klage vergangenes Jahr verhindert.
Das AZ kostet die Stadt nichts und stellt den NutzerInnen die Räumlichkeiten unentgeltlich zur Verfügung. Aus unserer Praxis im NFH wissen wir, wie schwierig es für Menschen mit geringen Einkommen ist, Örtlichkeiten zu finden, wo sie ihre Feste feiern oder ihren Hobbies nachgehen können. Das Naturfreundehaus ist zu klein, um all diese Anliegen auffangen zu können. Das AZ jedoch bietet dies – von Werkstätten über Ateliers bis zu Party- und Veranstaltungsräumen.
Die Stadt stellt sich selbst ein geistiges Armutszeugnis aus, wenn sie trotz knapper finanzieller Mittel, einem erwarteten Bevölkerungsanstieg von bis zu 50 000 Zuzügen meist jüngerer Leute in den nächsten Jahren und ständiger Kürzungen im kulturellen und sozialen Bereich das Engagement der Menschen in einem Viertel wie Kalk missachtet, behindert und verunmöglicht.
Über die dadurch entstehende Wut brauchen sich die Verantwortlichen nicht zu wundern, haben sie es doch in mehr als drei Jahren versäumt, auf die Gesprächsangebote der AZlerInnen einzugehen.

Wir fordern die in der Stadt Verantwortlichen auf, dem AZ endlich ernsthaft eine Zukunft zu bieten. Wir würden uns über viele weitere Jahre guter Nachbarschaft freuen.

Gezeichnet:
Das Naturfreundehaus KölnKalk e.V.
Die Bezirksgruppe Kalk der Naturfreunde e.V.
Die Ortsgruppe Köln der Naturfreunde e.V.

Vertreten durch ihre Vorstände:
(Angela Filz, Hildegard Siegler, Norbert Schneevoigt, Theresa Bullmann, Andreas Bodden, Jürgen Schramm, Sabine Nagl)

Uns wird kein Glück beschieden sein…

… solange wir mit dieser SPD geschlagen sind.

Kann jemand erklären, wie man die unbeschreibliche Provinzialität, den mangelnden Sinn für Ästhetik – zumal urbane, den menschenverachtenden Ökonomismus von „Arbeitsplätzen“ und „Profitabilität“ und überhaupt das Fehlen jedes Gespürs für das Schöne, das Wohltuende, Menschenfreundliche bei der Kölner Sozialdemokratie ertragen soll?
Die Liste der Kölner Pfusch- und Mauschelarbeiten (Rolf Dieter Brinkmann) geht bekanntlich auf keine Kuhhaut. In Kalk sind wir aktuell mit mindestens 3 Zumutungen seitens der organisierten Geistlosigkeit der SPD konfrontiert: Das Ringen um das Autonome Zentrum, die Kommerzialisierung der Freizeitaktivitäten am Rather See und der verhinderte Umbau und Nutzung der alten Polizeiwache durch ein kollektives Mehr-Generationen-Wohnprojekt namens Futur3. (Den Konflikt um den Hubschrauber – Landeplatz auf dem Kalkberg lassen wir heute mal außen vor. )
Im Zusammenhang mit dem AZ tut sich besonders die Kalker Ratsherrin Susana dos Santos-Hermann durch gebetsmühlenartiges Wiederholen des Satzes „Das AZ passt nicht nach Kalk“ (z.B. hier) hervor, ohne sich um ein Argument dafür auch nur zu bemühen. Eines wohlgemerkt, das nicht aus der Mottenkiste namens „Grünstreifen“ oder „Schulerweiterung“ kommt, die beiden Lieblingsgründe dieser Regierungspartei in einer Millionenstadt. Beide Argumente sind bereits so oft widerlegt, alternative Planungen vorgelegt worden, dass sich ein denkender Mensch von der Stumpfheit der Kölner SPD nur noch beleidigt fühlen kann. Eine Grünstreifen genannte Hundekackwiese – nichts anderes sind die meisten Grünflächen in der Stadt: sozial tot und verkotet – ist ihr so dermaßen viel wichtiger als ein Zentrum für politische, soziale und kulturelle Alternativen, dass sie den Konflikt schon fast genüsslich eskalieren lässt. Zur Zeit fühlt sich der Oberbürgermeister von ein paar Tropfen Uhu und ein paar Plakaten an seinem Wohnhaus bedroht, als hätte die RAF seine Tochter entführt. Dieses ganze Gezeter versteht nicht einmal mehr die Polizei, die den Antrag auf Personenschutz mangels Gefährdung abgelehnt hat und ansonsten nur verlautbaren lässt, man hoffe weiterhein auf eine friedliche Lösung und setze zur Not die Eigentumsrechte durch, das sei ja nunmal Aufgabe.
Sowohl Grünstreifen – über dessen Notwendigkeit sich überhaupt und an dieser Stelle im Besonderen streiten lässt – als auch Schulerweiterung sind ohne Schließung and Abriss des AZ möglich. Allein, die SPD, allen voran der Fraktionsvorsitzende Martin Börschel und OB Roters stellen sich stur. Gut möglich, dass sie schon selber gar nicht mehr wissen warum.

Gleich um die Ecke des AZ, in der Kapellenstrasse Ecke Kantstrasse, steht seit einigen Jahren ein hässliches, freistehendes Gebäude leer, das einmal die alte Polizeiinspektion 8 beherbergte. Das Wohnkollektiv Futur3 entwarf zusammen mit dem Architekten Bodo Marcziniak eine großartige Vision, das Haus in ein Mehr-Generationen-Wohnhaus umzubauen, mit Atrium, Dachterrasse, Garten und einer menschenfreundlichen, angenehmen Umgestaltung des öffentlichen Platzes davor, allen Kalker_innen zum Genuss.
Das Gebäude gehört dem Land NRW. Dieses hat sich verpflichtet, seine Immobilien nicht nur meistbietend sondern auch zur Förderung sozialer Zwecke unter Marktpreis zu verkaufen. Die Gruppe stand bereits in Kaufverhandlungen mit der Landesimmobiliengesellschaft. Doch sie machten die Rechnung ohne den ästhetischen und sozialen Stumpfsinn der Kölner SPD. Diese setzt sich in den Kopf – und nur sie weiß warum – dass das Kölner Studentenwerk das Haus kaufen und als Studentenwohnheim betreiben möge. Das Werk war daran gar nicht interessiert und wollte der Gruppe Futur3 gerne den Vortritt lassen. Kraft ihrer politischen Einflussmöglichkeiten steht die Kölner Sozialdemokratie nun kurz vor dem Ziel, eine Lösung durchzusetzen, die keiner will außer ihr selbst und deren Notwendigkeit keiner versteht außer sie selbst. Mit dem Ergebnis, dass ein ansprechender, großartiger, weitdenkender, architektonisch anspruchsvoller Entwurf zurücktreten muss vor der hässlichen Kölner Durchschnittslösung. Es wäre ja auch noch schöner, wenn die „Kalker Assis“ in den Genuss des schönsten Platzes von Köln kommen und sich der Rest der Kölner_innen fragt, warum eigentlich ihre Plätze keine Aufenthaltsqualität haben. Am Ende kommen die noch auf die Idee, dass der öffentliche Raum schöner, wohltuender, freundlicher gestaltet sein könnte als es die Plätze genannten Betonflächen mit den Beete genannten Hundeklos und den Grünstreifen genannten Rasenflächen sind! Nicht auszudenken!
Ein ähnliches Gespür für das Gute und Schöne beweist der Sozifilz gerade bei der Planung der zukünftigen Nutzung des Baggersees in Neubrück/Rath. Es fehlt an Naherholungsmöglichkeiten in und um Köln, und an solchen mit Bademöglichkeit erst recht. Das Naturbad im nahen Vingst erregte letztes Jahr Bürgerproteste aufgrund enorm eingeschränkter Öffnungszeiten. Der Rather See wird seit eh und je von den Menschen aus den umliegenden Stadtteilen genutzt: zum Baden, Spazierengehen, Hunde ausführen, Grillen, Feiern, Musikmachen, sich entspannen. Ein Angelverein bewirtschaftet das Gewässer. Das Miteinander am See funktioniert im Großen und Ganzen sehr harmonisch.
Der See liegt zwar nahe an der Autobahn und in der Einflugschneise des Flughafens, trotzdem ist es hier relativ ruhig und man hört die Vögel zwitschern. Außer der hohen Wohnhäuser von Neubrück sieht man nichts von der Stadt. Doch anstatt das Bedürfnis nach Erholung anzuerkennen und die bisherige Nutzung des Sees als Ausdruck des Bürgerwillens zu deuten, fällt der SPD regierten Stadt nichts besseres ein, als einem Investor die Verwirklichung seines Traumes von Wasserskibahnen zu verwirklichen. Dazu gibt es ein bisschen Gastronomie und einen kleinen Bereich zum Baden – gegen Eintritt versteht sich. Der Rest des Sees soll gesperrt und zur Naturschutz-Zone erklärt werden.
Dass anderswo genau aus Naturschutzgründen der Betrieb von Wasserski verboten oder strengstens reglementiert ist, weil er die Tiere zu sehr beeinträchtigt – was interessiert’s die Kölner SPD? Dass sich die verkehrslärm-geplagten Ohren der AnwohnerInnen von ICE-Strecke, Flughafen, Autobahn und Ausfallstrassen nun auch noch beim Baden Motorenlärm anhören dürfen – was soll’s? Dass das Wasserskifahren eher Gäste von weiterher anlockt, nicht aber der Naherholung dient, dass die einkommensschwachen Stadtteile im rechtsrheinischen Köln etwas Anderes brauchen als die Zerstörung ihres kostenlosen Freizeitvergnügens und ein weiteres kommerzielles Angebot, das sie sich nicht leisten können – was kümmert das schon einen Sozialdemokraten wie den Bezirksbürgermeister Markus Thiele? Der äußert eher Verständnis für das Profitinteresse des Investors.

Es heißt von Köln, es sei zwar hässlich, aber die Leute seien so nett. Auf die Dauer kann man davon nicht leben. Vor Allem wenn das nett sein mit so viel Unverstand einhergeht. Es ist 40 Jahre her, dass der Schriftsteller Rolf Dieter Brinkmann auf die Kölner Verhältnisse geschimpft hat. Es hat sich nichts verändert.

Locherbedienende Sozialdemokrat_innen

Word up, Stadtrevue: Kommentar zum Konflikt um das seit 1.7. wieder räumungsbedrohte Autonome Zentrum in Kalk.

18 Metzger-Totes Meer: aktueller Kommentar zu linker Moralpolitik

„Wir lieben den entsetzten Gesichtsausdruck von Außenstehenden wenn wir von unserem Awarenessteam erzählen.“

Der beste Kommentar zum aktuellen Versuch mancher Linker, die Widersprüchlichkeit des Lebens und der zwischenmenschlichen Kommunikation mit Moral aufzulösen und in Regelwerken zu vereindeutigen.

Loving it.